Es erscheint, als spräche Papst Benedikt XVI. hier anlässlich seines Besuchs in Auschwitz das aus, was führende Geschichtsrevisionisten schon immer predigten: In der deutschen Bevölkerung gab es demzufolge weder Mitläufer noch Mittäter, keine Nazis und auch keine Nutznießer des faschistischen Systems, sondern nur hilflose Opfer, die von einer verschwörerischen Gruppe betrogen und missbraucht wurden. Mit dieser potenziellen geschichtsrevisionistische Rehabilitation setzt Papst Benedikt XVI. einen Meilenstein auf dem Gebiet der Tatsachenumdichtung.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch, den das Politik-Fachjournal Titanic dezent als Hessenhitler bezeichnet hatte, vollbringt es hingegen souverän, den geschichtsrevisionistischen Opfer-Diskurs von der Vergangenheit in die Gegenwart zu übertragen, indem er friedliche Zuwanderung mit Eroberungskriegen gegen Indianer vergleicht:
Als knüppelhartem Argumentationsprofi, dem kein Argumentationsmuster zu schäbig ist, gelingt es Koch hier, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen transportiert der Vergleich ein demagogisches Bild von Deutschland in der Rolle des Opfers, das durch Migration existentiell bedroht wird, und verharmlost gleichzeitig mit von der Union gewohnter menschenverachtender Spritzigkeit die skrupellose Bekämpfung der Indianer.
In NPD-Kreisen dürfte man erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass mit Kochs brutalstmöglichem Vergleich die Inhalte des eigenen Parteiprogramms auch über die Parteigrenzen hinweg Verbreitung finden - im Programm des Landesverbandes der NPD-Sachsen heißt es:


