»Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, ist verrückt.«
Claudia Troßmann berichtet im Kulturblog über einen sehr interessanten Artikel bei brand eins:
Schon die Phrase von der Rückkehr zur Vollbeschäftigung ist eine Farce. Zu keinem Zeitpunkt des Industriekapitalismus, der seit fast zwei Jahrhunderten währt und der ohne Zweifel die meisten Beschäftigten aller Zeiten generierte, gab es so etwas Ähnliches wie Vollbeschäftigung für mehr als einige kurze, außergewöhnliche Jahre. Was die Arbeitswütigen meinen, umschreibt den Zeitraum von Anfang der fünfziger bis Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das ist die Zeit, die bis heute als unverrückbares Ziel dieser Gesellschaft beschworen wird: das deutsche Wirtschaftswunder. Es stützt sich allerdings auf 60 Millionen Tote, die Opferzahl des Zweiten Weltkriegs.
Zum Leidwesen vieler Parteistrategen existiert momentan allerdings keine breite öffentliche Unterstützung für das Führen eines (Angriffs-)Krieges, weswegen diese Option bisher noch in keinem Parteiprogramm zu finden ist.
Diese Realität wird hartnäckig übersehen. Und die Konsequenz daraus, dass mit Arbeit künftig kein Staat mehr zu machen ist, wird vom Establishment geleugnet. Die schlichte Ursache: Macht. Wer einstellen und entlassen kann, hat Macht über das Leben anderer.
Druck und Zwang, meint Nolte, blieben zuverlässige Gesellen beim Aufbau eines neuen Wertekanons einer künftigen Erwerbsgesellschaft. Dazu gehört die Bereitschaft, in den vorhandenen Rahmen zu denken und zu parieren: »Die Formel 8-8-8 hat sich historisch enorm bewährt.«
Denn Druck und Zwang sind in dieser Gesellschaft bei so vielen Dingen ganz normal, schließlich hat sich das »historisch enorm bewährt.« Was sich wohl sonst noch so historisch bewährt hat? Das Schlagen von Frauen, das Unterdrücken von Minderheiten, das Ausbeuten von Menschen, Krieg. Nolte weiß zu überzeugen.
Doch ein Problem sei geblieben: »Keine Partei findet das [Grundeinkommen] gut. Denn an der Arbeit hängt auch die Macht der Parteien und Organisationen.« Das Gerede von der Arbeit als einzigem Sinnstifter unserer Existenz ist ein »Herrschaftsinstrument«, wie Ralf Dahrendorf schon vor mehr als zwei Jahrzehnten erkannte: Nicht um die Arbeit gehe es den Machthabern, sondern um sich selbst, um die Möglichkeit, den Reichtum der Bürger so zu verteilen, wie es ihnen passt. Deshalb sind die Mächtigen um die Arbeit besorgt, sagt Dahrendorf: »Wenn sie ausgeht, verlieren die Herren der Arbeitsgesellschaft das Fundament ihrer Macht.«
»Mit den modernen Produktionsmethoden ist die Möglichkeit gegeben, dass alle Menschen behaglich und sicher leben können. Bisher sind wir noch immer so energiegeladen arbeitssam wie zur Zeit, da es noch keine Maschinen gab. Das war sehr töricht von uns. Aber sollten wir nicht auch irgendwann mal gescheit werden?«


