CDU-Bildungsexpertin Annette Schavan, 50, über Schulqualität, Spitzenförderung, die Kompetenzen des Bundes und die eigene Inkompetenz:
Hartz4all: Eine unionsgeführte Regierung würde also das Bildungsministerium in ein Forschungsministerium umwandeln?
Schavan: Da sind Sie leider falsch informiert. Unter einer unionsgeführten Regierung wird es nur noch zwei Ministerien geben, nämlich das Wirtschaftsministerium sowie das Ministerium für Wahrheit. Deutschland muss sparen, das wissen Sie so gut wie ich. Wir müssen uns auf die Dinge konzenzentrieren, die Deutschland nach vorne bringen.
Hartz4all: Rot-Grün hat für den Ausbau von Ganztagsschulen vier Milliarden Euro bereitgestellt. Wollen Sie das heftig umstrittene Programm stoppen?
Schavan: Nein. Das Programm ist in vollem Gange, da wird nichts rückgängig gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass die Ganztagsschule zur Schullandschaft der Zukunft gehört. Sie bietet die Chance für zusätzliche Lernzeit; wir sind schließlich bestens darüber informiert, mit welcher Begeisterung das meiste junge Humankapital die Schuleeinrichtungen besucht. Immer wieder erreichen uns Briefe jungen Humankapitals, in denen wir herzlichst darum gebeten werden, noch mehr Lehrmaterial in den Unterricht aufzunehmen, weil ihnen das Lernen um des reinen Lernen Willens so viel Spaß bereitet. Allerdings geht uns das bisherige Programm nicht weit genug. Wir müssen die Kinder direkt nach der Geburt von ihren Eltern befreien, um durch Förderung in speziellen staatlichen Kindercamps die Chancengleichheit sicherzustellen und ihnen von Anfang an nur das zu vermitteln, was wir für richtig halten. Nur so ist die bestmögliche Ausbildung des Humankapital für Deutschlands Zukunft sichergestellt, um Deutschland wieder nach vorne zu bringen.
Hartz4all: Das Wort »Elite«wollen Sie nicht in den Mund nehmen?
Schavan: Na hören Sie mal. Ich scheue mich davor überhaupt nicht. Ich habe schon von Elite gesprochen, da gab es das Wort noch gar nicht. Ich habe es erfunden! E-l-i-t-e. Wir brauchen Eliten. Ich finde, die soziale Hierarchisierung der Gesellschaft sollte auch in der Hochschullandschaft angemessen abgebildet werden. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Unsere Leistungsträger müssen deutlich erkennen können, welche Universitäten für Spitzenqualität stehen, sonst schreiben sich ihre Sprösslinge eventuell noch an einer zweitklassigen Universität ein, an der nur der normale Pöbel studiert. Das darf nicht sein! Nur so können wir Deutschland wieder nach vorne bringen.
Hartz4all: Machen Studiengebühren die Hochschulen besser?
Schavan: Ohne Frage! Ich bin seit vielen Jahren eine Anhängerin von Studiengebühren. Die Hochschulen brauchen diese Finanzquelle. Wir sehen es doch im Vergleich mit dem internationalen Ausland: Studiengebühren ermöglichen es auf lange Sicht, die staatlichen Zuschüsse für Universitäten herunterzufahren. Das ist gut, denn so können wir mehr in die Wirtschaft investieren und Deutschland wieder nach vorne bringen. Grundsätzlich gilt aber: Niemand darf durch den Geldbeutel der Eltern vom Studium abgehalten werden. Dafür werden Stipendien und spezielle Kredite sorgen, denn vom Leben auf Pump verstehen wir viel. Was spricht dagegen, wenn die Studenten oder deren Eltern einen Kredit aufnehmen, um sich oder ihre Sprösslinge frühstmöglich an Schulden zu gewöhnen?
Hartz4all: Der internationale Vergleich zeigt uns aber, dass das die soziale Selektion nicht verringert, sondern...
Schavan: Hören Sie mal, wir sind hier aber nicht im Ausland, sondern in Deutschland!
Hartz4all: Vielen Dank für das fiktive Gespräch.
Kommentare
Mo, 25.05.2009 20:52
Köstlich & kathartisch, immer weiter so!
So, 07.12.2008 16:21
Das ist töfte, Herr Blogwart! Ich freue mich schon drauf. U nd wehe, das klappt nich [...]
So, 07.12.2008 15:31
Die Lieferung bis zum Tannenba umfest kann leider nicht gewäh rleistet werden, werter [...]