Die Netzeitung bringt ein interessantes Interview mit dem Politologen Christoph Butterwegge:
Der Neoliberalismus, ursprünglich nur eine Wirtschaftstheorie, ist längst zu einer Sozialphilosophie und zur politischen Zivilreligion geworden. Er hat, unterstützt durch die Medienmacht interessierter Kreise, mittlerweile erreicht, dass Gerechtigkeit anders interpretiert wird. Sie beinhaltet kaum mehr, dass Bürger, die es sich leisten können, über den Staat die Bedürftigkeit von sozial Benachteiligten ausgleichen. Der neue, als modern geltende Gerechtigkeitsbegriff ist eher versicherungsmathematischer Natur: Jeder soll für sich selbst vorsorgen, je nach seinem persönlichen Risiko viel oder wenig dafür aufwenden müssen und schließlich das bekommen, wofür er eingezahlt hat: Leistungs- statt Bedarfsgerechtigkeit.
Und dann ist es natürlich eine Frage der Politik, wie dieser gesellschaftliche Reichtum unter den Menschen, auch zwischen den einzelnen Altersgruppen, verteilt wird. Deutschland ist ja keineswegs ärmer geworden, sondern heute reicher als je zuvor. Die vorhandenen Mittel sind nur noch ungleicher verteilt als früher - wobei die, die ohnehin schon viel haben, immer mehr vom Kuchen abbekommen.
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