Nach der Veröffentlichung des Armutsbericht der Bundesregierung ist unter anderem prominente Kritik von Seiten des CDU-Generalsekretärs Pofalla als auch des ifo-Chefs Hans-Werner Sinn zu vernehmen.
Beide standen Hartz4all für ein fiktives Interview zur Verfügung, das die aktuelle Lage in Deutschland erörtert:
Hartz4all: Herr Pofalla, Herr Sinn, was sagen Sie zum aktuellen Armutsbericht der Bundesregierung?
Pofalla: Der Armutsbericht spiegelt das Ergebnis nach sieben Jahren rot-grüner Regierung wider. Wir haben doch längst eine Trendumkehr in Deutschland. Der Konjunkturaufschwung hat viele derjenigen Menschen, die vorher arbeitslos waren, in Niedriglohnjobs integriert, in denen sie das gleiche oder noch weniger verdienen. Zusätzlich senken wir die Dings, äh, Sozialleistungen kontinuierlich, um größere Anreize zur Aufnahme solcher Niedriglohnjobs zu bieten. Ist das nicht toll?
Sinn: Dieses Ergebnis verdeutlicht eindringlich die stattfindende Trendumkehr: Arme werden gar nicht ärmer, Arme bekommen nur weniger Geld. Dieser Unterschied muss einmal ganz klar festgehalten werden. Daran arbeitet mein ifo-Institut mit Hochdruck.
Hartz4all: Bedeutet weniger Geld denn nicht zunehmende Armut?
Sinn: Keineswegs. Sehen Sie, ein Arbeitsloser lebt in Armut, denn er verfügt nicht über den Reichtum eines Arbeitsplatzes. Ein Arbeitnehmer in einem Niedriglohnjob hingegen besitzt allen Reichtum der Welt, denn er hat einen sinnstiftenden Arbeitsplatz. Geringes Einkommen kann selbstverständlich dadurch ausgeglichen werden, beispielsweise Mülltonnen zu dürchwühlen, das Schlafpensum auf völlig ausreichende 3 Stunden am Tag zu beschränken, eventuelle Kinder zur Fließbandarbeit zu schicken, der Prostitution nachzugehen, sich medizinischen Forschungen zur Verfügung zu stellen oder Organe zu spenden. Dies sind nur einige wenige Beispiele, müssen Sie wissen.
Einem Menschen mit geringem Einkommen sind folglich hierzulande so viele Möglichkeiten gegeben, die eigene finanzielle Situation zu optimieren, sei es durch Nebeneinkünfte oder Verringerung der Ausgaben, da kann doch wirklich niemand, der über gesunden Menschenverstand verfügt, behaupten, es gäbe in diesem Land so etwas wie Armut. Blicken Sie doch außerdem auf die globale Lage, dann relativiert sich die Hysterie über angebliche Armut in Deutschland ganz schnell von alleine: Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass manche Tiere teilweise ihre eigenen Nachkommen fressen - das und nur das ist wahre Armut, davon habe ich aber in Deutschland noch nichts gehört!
Hartz4all: Was sagen Sie zu dem Vorwurf, die geringere Arbeitslosenquote würde nur über statistische Spielereien erreicht werden und nicht durch tatsächliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände? Werden hier Äpfel zu Birnen umdefiniert?
Pofalla: Das ist Unsinn. Wir machen mit unseren Maßnahmen aus Armen Beine... äh den Armen Beine, meine ich natürlich.
Sinn: Nehmen wir an, Sie haben in Ihrem Garten ein Apfelbäumchen, das 20 Äpfel trägt. Davon sind 15 genießbar und 5 leider verfault. Die verfaulten Äpfel stehen für die Arbeitslosen, denn die sind schließlich auch faul. Wenn der Baum nun im nächsten Jahr erneut 20 Äpfel trägt, von denen 15 genießbar und 5 verfault sind, Sie aber die 5 verfaulten Äpfel an Nachbarskinder verteilen, würden Sie es dann etwa als falsch bezeichnen, im Ergebnis von einer Verringerung der Faulapfelquote zu sprechen? Mit Birnen hat das gar nichts zu tun.
Hartz4all: Aber die fünf verfaulten Äpfel existieren doch trotzdem...
Sinn: Das ist jetzt das Problem der Nachbarskinder, mein Baum hat eine Apfelerntequote von 100%. Genau so funktionieren die Arbeitsmarktprogramme der Regierung, die ich nur unterstützen kann.
Hartz4all: Finden Sie das nicht zynisch den Armen gegenüber?

Quelle: storem
Sinn: Die Armen in diesem Land sind doch ganz andere als die in diesem Bericht dargestellten. Ich beispielsweise verdiene unangemessen wenig, denn ohne Frage lässt meine wirtschaftliche und soziale Kompetenz die aller anderen so genannten Experten weit hinter sich, wie ich fast täglich bei Diskussionen mit inkompetenten Sozialromantikern in politischen Talkshows und in Zeitungsartikeln beweise. Ich weiß, man soll sich eigentlich nicht selbst loben, aber außer mir macht es eben niemand.
Pofalla: Haargenau. Es ist eine himmelhohe Ungerechtigkeit, dass laufend nur über wohlgenährte Hartz-IV-Empfänger, verschwenderische Niedriglöhner und luxuriös lebende Rentner gesprochen wird, während die wahre Armut, wie sie Herr Sinn anspricht, unter den, äh, Teppich fällt. Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat es sich daher zu einer ihrer dringendsten Aufgaben gemacht, die im Namen der Gerechtigkeit benötigte Umverteilung von unten nach oben voranzutreiben.
Hartz4all: Vielen Dank für das fiktive Gespräch.



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