Ein ansprechender Artikel über die Selbstregierung und Selbstvermarktung des neoliberalen Menschen:
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Der neoliberale Charakter
Freitag, 11. November 2005
Hochschulen im Wandel
Das Hartz4all-Kompetenzteam hat empfiehlt die nachfolgend verlinkte Publikation uneingeschränkt weiter:
Hartz4all ist zudem stolz, eine kurze Nachbereitung des hier verlinkten Textes vornehmen zu können:
Mit der Einführung von allgemeinen Studiengebühren wird das ökonomische Effizienzdenken auf Seiten der Lernenden (Stichwort «Bildungsrendite»), der Lehrenden («Der Kunde ist König») sowie der Institution an sich (die Bereitstellung von markt- bzw. nachfrageadäquaten Studiengängen) institutionalisiert und gefestigt.
Ein klares Argument für die Einführung von Studiengebühren! Es ist nahezu unbegreiflich, weshalb das vorbildliche ökonomische Effizienzdenken, das zum Glück nahezu sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens durchdrungen hat (schauen Sie doch nur einmal auf Ihren privaten Terminkalender. Sie haben einen? Erwischt!), ausgerechnet vor dem Bildungswesen Halt machen sollte. Hartz4all plädiert daher für die totale Ökonomisierung.
Bummelstudenten, die das Studium in ihrer kranken Geisteswelt als persönliche Entwicklungs- oder Fortbildungszeit definieren und somit wertvolle Steuergelder missbrauchen, werden durch diese Maßnahme zudem frühzeitig aussortiert und machen so Platz für richtige Stundentendrohnen, die bereit sind, ohne so genannte Reflexion verantwortungsvoll zu studieren.
Die so genannten Zielwerte der großen Hochschulreform der 68er Jahre lauteten Demokratisierung und Chancengleichheit - heute sind diese Entdemokratisierung und Elitismus.
Dies ist ein eindeutiger Fortschritt! Demokratisierung hat leider sehr viel mit Demokratie zu tun, und diese ist, wie jeder vernünftige Mensch weiß, ein Hirngespinst linker Terrorismussympathisanten, denn der durchschnittliche Mensch ist dumm, faul, uninformiert und nicht mündig, eine Entscheidung zu treffen, weshalb es kluge, strebsame, informierte und umso mündigere Eliten geben muss, die stellvertretend für ihn entscheiden. Das hat auch absolut nichts mit Arroganz, Anmaßung oder einem herrschaftlichen Weltbild zu tun, sondern ist eben einfach so. Sagen die allwissenden Eliten. Entdemokratisierung ist demzufolge ein absolut notwendiger Schritt, damit doofe Leute keine doofen Entscheidungen treffen können.
Chancengleichheit ist ein ähnlicher Mythos, denn wie die ehrenwerte Kanzlerin in spe Merkel korrekt anmerkte: »Die Menschen sind verschieden geboren, das ist vom Herrgott so gewollt. Wir sollten sie nicht alle ins selbe Klassenzimmer stecken und gleich machen wollen.« Wer würde es wagen, dem Herrgott zu widersprechen? Oder gar der Bundeskanzlerin?
Sollte damals das angebliche Ziel des Studiums «die Erziehung eines kritischen, urteilsfähigen Bürgers» sein, «der imstande ist, durch einen permanenten Lernprozeß die Bedingungen seiner sozialen Existenz zu erkennen und sich ihnen entsprechend zu verhalten», ist es heute absolut vorrangig, dass «die Studierenden die künftige Rendite ihrer Studiengebühren schärfer kalkulieren und sich damit zwangsläufig stärker am Arbeitsmarkt und an eingeschliffenen gesellschaftlichen Karrieremustern orientieren» - «die Student/inn/en werden hier weniger als Mitglieder, sondern als Zielgruppe der universitären Maßnahmen gesehen»
Eine logische Konsequenz der Entdemokratisierung: Jetzt, da die lächerliche Demokratie-Ideologie endlich aufgegeben wird, ist eine vorgebliche Erziehung zu kritischen und urteilsfähigen Bürgern, was immer das sein mag, nicht mehr erklärtes Ziel, da das Denken, Handeln und Entscheiden nun (wieder) - zu Recht - von kompetenten Eliten übernommen wird. Der Student kann sich so, ohne durch so genannten »Verstand« belästigt zu werden, vollkommen am Arbeitsmarkt orientieren, denn Arbeit hat in Deutschland immer Vorfahrt. Auch und insbesondere vor Vernunft.
Die Hochschule dient objektiv der Reproduktion der Gesellschaft in ihrem gegebenen Bestand und damit auch der Reproduktion gesamtgesellschaftlicher Herrschaft.
Und das ist gut so, schließlich leben wir in der besten aller möglichen Welten. Jegliche Veränderung wäre reaktionär.
Die Auswertung empirischen Materials der letzten Jahre aus Studierendenbefragungen über deren politische Einstellungen lassen die Befürchtungen erhärten, dass aufgrund zunehmend offensiver formulierten Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Universität und des dadurch sich verschärfenden Leistungs- aber auch Anpassungsdrucks Studierende sich immer mehr gezwungen sehen, vermeintlich utopische, oder aber auch nur sozialreformerische, linksliberale Einstellungen zugunsten »realistischer« Einstellungen aufzugeben. Das Verhalten der Studierenden deutet auf eine nicht gerade neue, aber in den letzten Jahren zunehmende absolute Anpassungs-, wenn nicht sogar Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autoritäten hin, die völlig inhaltsbeliebig ist. Unter den Studierenden ist ein Erstarken «reaktionären Gedankenguts» und einer «neurechten Ideologie», getarnt als «ultrarealistische Leistungsideologie» festzustellen, die die Akzeptanz institutioneller Ausschlussmechanismen als durchaus legitim erscheinen lassen
Eine Beobachtung, die Hartz4all nach einiger Recherche subjektiv bestätigen kann. Träumereien, Spinnereien und utopisches Blabla haben ein Ende gefunden, denn jeder muss einmal erwachsen werden und der Realität in die Augen sehen! Studierende mit blindem Gehorsam, aufopferungsvoller Leistungsbereitschaft und strenger Disziplin - ihr seid Deutschland.
Dienstag, 23. August 2005
Tschüß Sozialstaat
Die Netzeitung bringt ein interessantes Interview mit dem Politologen Christoph Butterwegge:



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