Merkel: Wir müssen aber nicht nur global denken, sondern auch zeitlich in neuen Dimensionen, über unsere eigene Generation hinaus - im Blick auf den Ressourcenverbrauch und auf die Probleme der Demografie. Das alles ist für die Menschen eine große Herausforderung. Rationale Politik alleine wird da die gewünschte Sicherheit nicht bieten können. Ich glaube, dass Religion und gesellschaftliche Verankerung im umfassenden Sinne dazukommen müssen. So etwas wie Gottvertrauen kann nicht einfach durch rational abgeleitete Sicherheiten gewährleistet werden.
Die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel hat völlig zu Recht erkannt: Rationale Politik, wie Rationalität im allgemeinen, ist für unsere Gesellschaft unzureichend und fehlerhaft. Gottvertrauen ist angesichts der kommenden Regierung angebrachter als rationale, stets unzulänglicher Vernunft anbehaftete Bedenken, und darin eingeschlossen ist auch der blinde Glaube an den von Gott befohlenen Koalitionsvertrag.
Habt nicht Mut, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen, sondern vertraut auf den göttlichen Plan, denn Glaube hilft weiter, wenn weltliche Politik versagt. Ein Prinzip, das sich historisch seit tausenden von Jahren sehr bewährt hat.
Merkel: Es geht also um mehr als nur eine politische Diskussion. Die CDU hat es insofern gut, als sie mit dem christlichen Menschenbild immer wieder auf diese andere Dimension verweisen kann.
Während der Kollege Lötzer sich hoffnungslos der internen Kritik hingibt, bat Hartz4all aus gegebenem Anlass den freien Mitarbeiter Voltaire um eine kurze Analyse des Koalitionsvertrages. Er kommt in seiner Schrift »La Koalitionsvertrag enfin expliquée« zu dem Schluss:
Man muß die Heilige Schrift [den Koalitionsvertrag, Anm. d. Red.] nicht mit den Augen der Vernunft, sondern des Glaubens lesen.
Es handelt sich hier nicht um Vernunft, Einsicht, Wahrscheinlichkeit und physische Möglichkeit. In diesem Buch ist alles göttlich, alles Wunder [..] Was in einer gewöhnlichen Geschichte ungereimt scheinen würde, ist [hier] bewundernswürdig.
Man müßte Bände schreiben, um alle Einwände aufzulösen; einige haben es versucht, aber jedem mißlang der Versuch. Der Heilige Geist, der allein dieses Buch dem heiligen Verfasser diktiert hat, kann es auch nur allein verteidigen.
[Quelle: Voltaire, La Bible enfin expliquée. Zitiert nach Hubert Schleichert]
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