Was ist die gesellschaftliche Funktion der Fachsprache? Ich habe gesagt, echte Kommunikation sei Gemeinsamkeit und Veränderung. Die Fachsprache ist nicht unschuldig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rollen und auf der Basis von Wechselbeziehungen funktionierenden Gruppen schwatzt, und von Wertvorstellungen und den Zielen des Lehrplans und besserer Übereinstimmung und übergeordneten und untergeordneten Personen, der hat die Absicht, uns auf Distanz zu halten; er will seine Spezialität - sein kleines Stück eines im Wesentlichen unteilbaren Ganzen - eben als Spezialität für sich behalten. Er hat kein Interesse daran, sich uns anzunähern, uns seine Fähigkeiten zu vermitteln, sondern über uns zu stehen und uns zu manipulieren. Kurzum, er will ein »Experte« bleiben. Der Philosoph möchte, im Gegensatz dazu, dass alle Menschen zu Philosophen werden. Seine Redeweise erzeugt Gleichheit. Er hat die Absicht, sich uns anzunähern und uns die Fähigkeit zum selbstständigen Denken und Handeln zu vermitteln.
Quelle: The Lives of Children - George Dennison; zitiert nach Kinder lernen selbstständig oder gar nicht(s) - John Holt
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Fachsprache als Abgrenzung
Freitag, 18. November 2005
Wer will, kann alles
Keine gute Nachricht ohne ihre jeweiligen Miesmacher: Kaum belegt Deutschland die Spitzenposition der Chancenungleichheit im internationalen Wettbewerb der Industrienationen, schon versucht der Lehrerverband diesen siegreichen Kampf um den Thron zu relativieren:
Eine gar vorzügliche Argumentation, die große Kenntnis des Konzepts der »sozialen Herkunft« erkennen lässt. Hartz4all meint:
Jeder kann fliegen - man muss eben nur fliegen können.
Vollkommen zutreffend ist hingegen, dass »die vielen brachliegenden Talente die wirtschaftliche« Entwicklung bremsen, weshalb führende Demagogen Pädagogen zu Recht lauthals nach Ganztagskasernierung und frühkindlicher Indoktrination rufen.
Freitag, 11. November 2005
Hochschulen im Wandel
Das Hartz4all-Kompetenzteam hat empfiehlt die nachfolgend verlinkte Publikation uneingeschränkt weiter:
Hartz4all ist zudem stolz, eine kurze Nachbereitung des hier verlinkten Textes vornehmen zu können:
Mit der Einführung von allgemeinen Studiengebühren wird das ökonomische Effizienzdenken auf Seiten der Lernenden (Stichwort «Bildungsrendite»), der Lehrenden («Der Kunde ist König») sowie der Institution an sich (die Bereitstellung von markt- bzw. nachfrageadäquaten Studiengängen) institutionalisiert und gefestigt.
Ein klares Argument für die Einführung von Studiengebühren! Es ist nahezu unbegreiflich, weshalb das vorbildliche ökonomische Effizienzdenken, das zum Glück nahezu sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens durchdrungen hat (schauen Sie doch nur einmal auf Ihren privaten Terminkalender. Sie haben einen? Erwischt!), ausgerechnet vor dem Bildungswesen Halt machen sollte. Hartz4all plädiert daher für die totale Ökonomisierung.
Bummelstudenten, die das Studium in ihrer kranken Geisteswelt als persönliche Entwicklungs- oder Fortbildungszeit definieren und somit wertvolle Steuergelder missbrauchen, werden durch diese Maßnahme zudem frühzeitig aussortiert und machen so Platz für richtige Stundentendrohnen, die bereit sind, ohne so genannte Reflexion verantwortungsvoll zu studieren.
Die so genannten Zielwerte der großen Hochschulreform der 68er Jahre lauteten Demokratisierung und Chancengleichheit - heute sind diese Entdemokratisierung und Elitismus.
Dies ist ein eindeutiger Fortschritt! Demokratisierung hat leider sehr viel mit Demokratie zu tun, und diese ist, wie jeder vernünftige Mensch weiß, ein Hirngespinst linker Terrorismussympathisanten, denn der durchschnittliche Mensch ist dumm, faul, uninformiert und nicht mündig, eine Entscheidung zu treffen, weshalb es kluge, strebsame, informierte und umso mündigere Eliten geben muss, die stellvertretend für ihn entscheiden. Das hat auch absolut nichts mit Arroganz, Anmaßung oder einem herrschaftlichen Weltbild zu tun, sondern ist eben einfach so. Sagen die allwissenden Eliten. Entdemokratisierung ist demzufolge ein absolut notwendiger Schritt, damit doofe Leute keine doofen Entscheidungen treffen können.
Chancengleichheit ist ein ähnlicher Mythos, denn wie die ehrenwerte Kanzlerin in spe Merkel korrekt anmerkte: »Die Menschen sind verschieden geboren, das ist vom Herrgott so gewollt. Wir sollten sie nicht alle ins selbe Klassenzimmer stecken und gleich machen wollen.« Wer würde es wagen, dem Herrgott zu widersprechen? Oder gar der Bundeskanzlerin?
Sollte damals das angebliche Ziel des Studiums «die Erziehung eines kritischen, urteilsfähigen Bürgers» sein, «der imstande ist, durch einen permanenten Lernprozeß die Bedingungen seiner sozialen Existenz zu erkennen und sich ihnen entsprechend zu verhalten», ist es heute absolut vorrangig, dass «die Studierenden die künftige Rendite ihrer Studiengebühren schärfer kalkulieren und sich damit zwangsläufig stärker am Arbeitsmarkt und an eingeschliffenen gesellschaftlichen Karrieremustern orientieren» - «die Student/inn/en werden hier weniger als Mitglieder, sondern als Zielgruppe der universitären Maßnahmen gesehen»
Eine logische Konsequenz der Entdemokratisierung: Jetzt, da die lächerliche Demokratie-Ideologie endlich aufgegeben wird, ist eine vorgebliche Erziehung zu kritischen und urteilsfähigen Bürgern, was immer das sein mag, nicht mehr erklärtes Ziel, da das Denken, Handeln und Entscheiden nun (wieder) - zu Recht - von kompetenten Eliten übernommen wird. Der Student kann sich so, ohne durch so genannten »Verstand« belästigt zu werden, vollkommen am Arbeitsmarkt orientieren, denn Arbeit hat in Deutschland immer Vorfahrt. Auch und insbesondere vor Vernunft.
Die Hochschule dient objektiv der Reproduktion der Gesellschaft in ihrem gegebenen Bestand und damit auch der Reproduktion gesamtgesellschaftlicher Herrschaft.
Und das ist gut so, schließlich leben wir in der besten aller möglichen Welten. Jegliche Veränderung wäre reaktionär.
Die Auswertung empirischen Materials der letzten Jahre aus Studierendenbefragungen über deren politische Einstellungen lassen die Befürchtungen erhärten, dass aufgrund zunehmend offensiver formulierten Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Universität und des dadurch sich verschärfenden Leistungs- aber auch Anpassungsdrucks Studierende sich immer mehr gezwungen sehen, vermeintlich utopische, oder aber auch nur sozialreformerische, linksliberale Einstellungen zugunsten »realistischer« Einstellungen aufzugeben. Das Verhalten der Studierenden deutet auf eine nicht gerade neue, aber in den letzten Jahren zunehmende absolute Anpassungs-, wenn nicht sogar Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autoritäten hin, die völlig inhaltsbeliebig ist. Unter den Studierenden ist ein Erstarken «reaktionären Gedankenguts» und einer «neurechten Ideologie», getarnt als «ultrarealistische Leistungsideologie» festzustellen, die die Akzeptanz institutioneller Ausschlussmechanismen als durchaus legitim erscheinen lassen
Eine Beobachtung, die Hartz4all nach einiger Recherche subjektiv bestätigen kann. Träumereien, Spinnereien und utopisches Blabla haben ein Ende gefunden, denn jeder muss einmal erwachsen werden und der Realität in die Augen sehen! Studierende mit blindem Gehorsam, aufopferungsvoller Leistungsbereitschaft und strenger Disziplin - ihr seid Deutschland.
Freitag, 4. November 2005
Von Bäumen und Kindern
Kulturblog machte Hartz4all auf eine interessante Rede des Noch-Bundeskanzlers Gerhard Schröder aufmerksam, die dieser anlässlich der Konferenz »Familie - Erfolgsfaktor für die Wirtschaft«hielt - ein überragender Titel, der großartige Inhalte verspricht, lassen sich Kinder doch für so ziemlich jedes Thema instrumentalisieren.
Ursprünglich sollten Hartz4all-Politikexperten die geniale Rede analysieren und die wichtigsten Abschnitte kommentieren, was sich aufgrund der überragenden Qualität der Rede jedoch erübrigt. Stattdessen kann der gesamte Artikulationsschwall metaphorisch wie folgt resümiert werden:
Kinder sind ungefähr so wie Bäume: Man kann sie irgendwo einpflanzen, dann wachsen sie ein wenig. Man kann sie in Schulen gemäß den eigenen Vorstellungen züchten, formen und sortieren. Irgendwann werden sie abgebaut (das geschieht häufig durch Raubbau, bei Kindern fast immer), zugeschnitten und alles von der Norm Abweichende und der Verwertung im Wege Stehende entfernt. Sie sind zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger tot. Sie werden für jeden Scheiß eingesetzt bis sie alt und morsch sind und schließlich nach Gebrauch weggeschmissen und verfaulen.
Hartz4all ist stolz, zum Abschluss des Themenkomplexes »Kinder«folgenden prägnanten Slogan präsentieren zu können, der aus stundenlangem Brainstorming auf Managementebene und zahlreichen Ausschusssitzungen hervorgegangen ist:
Kinder sind die Zukunft ohne Zukunft.
Sonntag, 30. Oktober 2005
Deutsches Bildungssystem belegt Spitzenposition
Linke Miesmacher versuchen seit geraumer Zeit, das wunderbare Bildungssystem Deutschlands durch unhaltbare Hetze in Misskredit zu bringen. Hartz4all ist daher stolz, derartige Propaganda durch Fakten widerlegen zu können:
In Wahrheit ist das fantastische Bildungssystem Deutschlands hinsichtlich seiner Chancenungleichheit in Industriestaaten ohne Beispiel und lässt Mitbewerber weit abgeschlagen:
Die Chancenungleichheit konnte in den vergangen Jahren durch massive Investitionen sogar gesteigert und das Polster auf mögliche Konkurrenten um die Spitzenposition dadurch ausgebaut werden. Dies bedeutet weiterhin den ersten Platz der Chancenungleichheit im internationalen Wettbewerb der Industrienationen. Es geht aufwärts - bravo, Deutschland!
Mittwoch, 24. August 2005
Schiffbruch trotz Leuchttürmen
CDU-Bildungsexpertin Annette Schavan, 50, über Schulqualität, Spitzenförderung, die Kompetenzen des Bundes und die eigene Inkompetenz:
Hartz4all: Eine unionsgeführte Regierung würde also das Bildungsministerium in ein Forschungsministerium umwandeln?
Schavan: Da sind Sie leider falsch informiert. Unter einer unionsgeführten Regierung wird es nur noch zwei Ministerien geben, nämlich das Wirtschaftsministerium sowie das Ministerium für Wahrheit. Deutschland muss sparen, das wissen Sie so gut wie ich. Wir müssen uns auf die Dinge konzenzentrieren, die Deutschland nach vorne bringen.
Hartz4all: Rot-Grün hat für den Ausbau von Ganztagsschulen vier Milliarden Euro bereitgestellt. Wollen Sie das heftig umstrittene Programm stoppen?
Schavan: Nein. Das Programm ist in vollem Gange, da wird nichts rückgängig gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass die Ganztagsschule zur Schullandschaft der Zukunft gehört. Sie bietet die Chance für zusätzliche Lernzeit; wir sind schließlich bestens darüber informiert, mit welcher Begeisterung das meiste junge Humankapital die Schuleeinrichtungen besucht. Immer wieder erreichen uns Briefe jungen Humankapitals, in denen wir herzlichst darum gebeten werden, noch mehr Lehrmaterial in den Unterricht aufzunehmen, weil ihnen das Lernen um des reinen Lernen Willens so viel Spaß bereitet. Allerdings geht uns das bisherige Programm nicht weit genug. Wir müssen die Kinder direkt nach der Geburt von ihren Eltern befreien, um durch Förderung in speziellen staatlichen Kindercamps die Chancengleichheit sicherzustellen und ihnen von Anfang an nur das zu vermitteln, was wir für richtig halten. Nur so ist die bestmögliche Ausbildung des Humankapital für Deutschlands Zukunft sichergestellt, um Deutschland wieder nach vorne zu bringen.
Hartz4all: Das Wort »Elite«wollen Sie nicht in den Mund nehmen?
Schavan: Na hören Sie mal. Ich scheue mich davor überhaupt nicht. Ich habe schon von Elite gesprochen, da gab es das Wort noch gar nicht. Ich habe es erfunden! E-l-i-t-e. Wir brauchen Eliten. Ich finde, die soziale Hierarchisierung der Gesellschaft sollte auch in der Hochschullandschaft angemessen abgebildet werden. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Unsere Leistungsträger müssen deutlich erkennen können, welche Universitäten für Spitzenqualität stehen, sonst schreiben sich ihre Sprösslinge eventuell noch an einer zweitklassigen Universität ein, an der nur der normale Pöbel studiert. Das darf nicht sein! Nur so können wir Deutschland wieder nach vorne bringen.
Hartz4all: Machen Studiengebühren die Hochschulen besser?
Schavan: Ohne Frage! Ich bin seit vielen Jahren eine Anhängerin von Studiengebühren. Die Hochschulen brauchen diese Finanzquelle. Wir sehen es doch im Vergleich mit dem internationalen Ausland: Studiengebühren ermöglichen es auf lange Sicht, die staatlichen Zuschüsse für Universitäten herunterzufahren. Das ist gut, denn so können wir mehr in die Wirtschaft investieren und Deutschland wieder nach vorne bringen. Grundsätzlich gilt aber: Niemand darf durch den Geldbeutel der Eltern vom Studium abgehalten werden. Dafür werden Stipendien und spezielle Kredite sorgen, denn vom Leben auf Pump verstehen wir viel. Was spricht dagegen, wenn die Studenten oder deren Eltern einen Kredit aufnehmen, um sich oder ihre Sprösslinge frühstmöglich an Schulden zu gewöhnen?
Hartz4all: Der internationale Vergleich zeigt uns aber, dass das die soziale Selektion nicht verringert, sondern...
Schavan: Hören Sie mal, wir sind hier aber nicht im Ausland, sondern in Deutschland!
Hartz4all: Vielen Dank für das fiktive Gespräch.



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