Wie das Bundespresseamt heute überraschend bekanntgab, beabsichtigt die Bundesregierung die Einführung eines bundesweiten Feiertags zur Würdigung der Bürger- und Menschenrechte. Dieses Vorhaben wird, so geht aus der Meldung hervor, vom Großteil der Abgeordneten der Regierungskoalition aus CDU und SPD unterstützt und soll noch in kürzester Zeit möglichst unbürokratisch realisiert werden.
Hartz4all sprach mit dem Regierungssprecher Peter Sprecher:
Hartz4all: Herr Sprecher, die Bundesregierung hat heute überraschend bekanntgegeben, einen bundesweiten Feiertag zur Würdigung der Bürger- und Menschenrechte einführen zu wollen. Wie kam es dazu?
Sprecher: Nun, immer wieder sieht sich die Bundesregierung den dreisten Vorwürfen so genannter Menschenrechtsvertreter, Bürgerrechtler oder Datenschützer ausgesetzt, Bundeskabinett und Regierungskoalition würden mit ihrer Legislative vermeintliche Bürger- und Menschenrechte mit Füßen treten. Der Bundesregierung sind diese so genannten Bürger- und Menschenrechte selbstverständlich gleichgültig, so folglich auch die von den genannten Persönlichkeiten erhobenen Vorwürfe. Nach den jüngsten Wahlerfolgen der Partei Die Linke sah sich die Bundesregierung jedoch dazu berufen, mit einem Zugeständnis, wie es nun in Form des geplanten Feiertags zur Würdigung der Bürger- und Menschenrechte erfolgt, auch Wähler des radikalen Spektrums anzusprechen, die die wirtschaftsverachtende Ideologie der Bürger- und Menschenrechte vertreten.

Hartz4all: Geht die Bundesregierung mit diesem Vorhaben nicht einen Schritt zu weit, ermutigt radikale Kräfte und gefährdet die Glaubwürdigkeit der eigenen Position?
Sprecher: Keineswegs. Sie dürfen in diesem symbolischen Akt kein inhaltliches Zugeständnis an diese wirtschaftsfeindliche Ideologie verstehen. An einem und nur einem Tag im Jahr kann die Erwähnung und symbolische Würdigung solcherlei Rechtsvorstellungen keinerlei Schaden anrichten. Ich kann Ihnen versichern, dass wir tatsächlich nur von einem einzigen Tag im Jahr sprechen, nicht mehr. Die Bundesregierung möchte mit diesem wohlwollenden Zugeständnis lediglich diejenigen Wähler, die dieser radikalen Ideologie anhängen, für die etablierten Parteien der Regierungskoalition gewinnen, um sie somit langsam aber stetig von der absurden Idee verbindlicher Bürger- und Menschenrechte abzubringen und von der Position der Regierungsparteien überzeugen zu können.
Hartz4all: Wie ist die Bundesregierung vorgegangen?
Sprecher: Zunächst nahm man mit dem Bundesminister für Finanzen, Peer Steinbrück, Kontakt auf, um in Erfahrung zu bringen, ob Deutschland sich Bürger- und Menschenrechte für einen Tag im Jahr ökonomisch überhaupt leisten könne. Minister Steinbrück zeigte sich zunächst skeptisch und betonte, dass Deutschland sich angesichts globalisierter Weltwirtschaft derartige Einschränkungen einfach nicht erlauben könne. Schließlich sei es Aufgabe der Regierung, eine Politik für diejenigen - und nur für diejenigen - zu betreiben, die etwas für die Zukunft Deutschlands tun. Nach längerer Diskussion und dem Durchgehen verschiedener Planspiele zeigte sich Steinbrück allerdings aufgeschlossen gegenüber dem Vorschlag aus der CDU, für die Finanzierung des Vorhabens eines der problematischen Ost-Bundesländer zu veräußern, die immer wieder für negative Schlagzeilen sorgen und für das positive Ansehen Deutschlands langsam untragbar werden.
Hartz4all: Wie stellt sich die Bundesregierung eine solche Veräußerung vor?
Sprecher: Durch die guten Kontakte derzeitiger und ehemaliger Minister zu Vertretern der deutschen und ausländischen Wirtschaft konnten recht schnell Vertragsentwürfe für potentielle Endlager entsorgter Brennstäbe europäischer Kernkraftwerke unter und für Waffenfabriken auf dem Gelände des zu veräußernden Bundeslandes ausgearbeitet werden. Die Bundesregierung prüft zudem die Option, den Einwohnern des betroffenen Bundeslandes nach dessen Veräußerung mittels Umschulung zu professionellen Organspendern eine produktive Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die Bundesregierung möchte damit gleichzeitig deutlich machen, dass sie die hohen Arbeitslosenquoten in den neuen Bundesländern ernst nimmt und durch kreative Maßnahmen effektiv bekämpfen kann. Letztenendes wird die Einführung des geplanten Feiertages sich also positiv auf die deutsche Wirtschaft ausüben.
Hartz4all: Wie ging es weiter?
Sprecher: Es musste jemand gefunden werden, der sich mit der Materie auskennt. Eine Krisensitzung des Kabinetts wurde einberufen, doch wie sich recht schnell herausstellte, verfügte keiner der Anwesenden über fundierte Kenntnis in Bezug auf diese fabulösen Bürger- oder Grundrechte. Justizministerin Zypries warf schließlich ein, schon einmal von einem so genannten Grundgesetz gehört zu haben, ergänzte jedoch sofort, sie könne sich darunter allerdings nicht viel vorstellen. Nach intensiver Recherche des BND im Inland konnte festgestellt werden, dass dem BND das besagtes Dokument bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls unbekannt war, jedoch mit Hilfe von Informanten als “Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland” identifiziert werden konnte. Aufgrund dieses Namens, der nahelegt, dass es sich bei diesem so genannten Grundgesetz um eine Angelegenheit des Inneren handelt, wurde der Bundesminister des Inneren beauftragt, also Herr Minister Schäuble, nähere Details über Bürger- und Grundrechte in Erfahrung zu bringen.
Hartz4all: Hegte die Bundesregierung nicht Bedenken, diese Recherche und intensive Auseinandersetzung mit der Materie könnte die Legislative beeinflussen, indem zukünftig womöglich Bürger- und Grundrechte bei der Gesetzgebung Beachtung finden?
Sprecher: Die zuständigen Minister sind immun gegenüber solcherart radikaler Ideologie, das versichere ich Ihnen.
Hartz4all: Das ist beruhigend. Fahren Sie bitte fort.
Sprecher: In der Folgezeit dieser Sitzung gelang es Herrn Schäuble tatsächlich mit Hilfe ausländischer Geheimdienste, den Text des besagten Dokuments in Erfahrung zu bringen, den er in einer nachfolgenden Kabinettssitzung unter allgemeinem Gelächter vortrug. Während Finanzminister Steinbrück anmerkte, solcherlei Hirngespinste würden jeden Staat sofort in den Ruin treiben, wies Arbeitsminister Scholz darauf hinwies, die Arbeitslosigkeit stiege auf ungeahnte Höhen, würden sämtliche Arbeitsplätze abgeschafft, die angeblich gegen diese so genannten Grund- und Menschenrechte verstößen. Bundeskanzlerin Merkel erklärte schließlich, sie sei auch ohne solchen Firlefanz gut aufgewachsen.
Hartz4all: Es geht also keine Gefahr von einem Feiertag zur Würdigung der Bürger- und Menschenrechte aus?
Sprecher: Nein, keine.
Hart4all: Auf welches Datum soll dieser Feiertag festgelegt werden?
Sprecher: Beginnend ab heute soll der Feiertag zur Würdigung von Bürger- und Menschenrechten am 30. Februar eines jeden Jahres abgehalten werden.
Hartz4all: Vielen Dank für dieses fiktive Gespräch.



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