Hartz4all: Herr Müntefering, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen.
Müntefering: Aber gerne doch, jemand muss die Wahrheit schließlich ans Licht bringen!
Hartz4all: Nun, Herr Müntefering, Sie kritisieren den Begriff »Unterschicht«...
Müntefering: Gibt es nicht!
Hartz4all: ...der momentan in der öffentlichen Debatte hohe Wellen schlägt. Wieso?
Müntefering: Sehen Sie, in Deutschland gibt es keine Schichten. Und erstrecht keine Klassen. Außer bei der Bahn. Und im Flugzeug. Sonst aber nirgends.
Hartz4all: Sie wehren sich also gegen die Einteilung der Gesellschaft?
Müntefering: Haargenau. Bei uns gibt es nur Menschen, und die sind alle gleich. Einige sind gleicher als andere, aber im Endeffekt kann man sie nicht in komische Kategorien einteilen. Das wäre so, als würde ich behaupten, Sie seien Interviewer und ich Befragter - welch ein Irrsinn!
Hartz4all: Sie sagten, solche Begriffe eigneten sich höchstens für »weltfremde Soziologen«.
Müntefering: Das ist korrekt. Wenn Sie die Gesellschaft in einem zweidimensionalen Raum abbilden, werden einige Menschen oben und andere unten sein. Das ist ganz normal, sonst bräuchte man ja keine zwei Dimensionen. Diejenigen, die im unteren Teil dieses Raums angeordnet sind - man könnte sagen schichtartig -, sind ärmer als der Rest. Aber erkennen Sie da irgendwelche Schichten? Also ich nicht!
Hartz4all: Finden Sie nicht, dass Sie es mit der Bezeichnung »weltfremde Soziologen« übertrieben haben? Ist das nicht ein Pleonasmus?
Müntefering: Natürlich haben Sie Recht, aber ich musste es einmal deutlich zur Sprache bringen, schließlich sind Soziologen Schuld am Untergang dieses Landes. In ihren weltfremden Elfenbeintaxen fahren sie durch die Gegend und lenken die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf Dinge, die lieber im Verborgenen bleiben sollten, wie zum Beispiel Armut oder Ausländerfeindlichkeit. Probleme löst man nicht, indem man auf sie hinweist, sondern indem man sie verleugnet. Bei uns in der SPD wurde das schon immer so gehandhabt und wir sind stets gut damit gefahren. Hätten wir im Voraus gewusst, was diese Studie herausfindet, hätten wir sie selbstverständlich verhindert.
Hartz4all: Wussten Sie, dass der Begriff »Unterschicht«...
Müntefering: Gibt es nicht!
Hartz4all: ...in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gar nicht auftaucht?
Müntefering: Ach ja? Oh... Das war mir natürlich klar.
Hartz4all: Ihr Parteikollege Beck hat die Debatte um die »Unterschicht«...
Müntefering: Gibt es nicht!
Hartz4all: ...ins Rollen gebracht.
Müntefering: Na, der kann was erleben!
Hartz4all: Wie gedenken Sie, wieder Ruhe in diese hitzige Diskussion zu bekommen?
Müntefering: Das ist ganz einfach, ich habe da einen ausgeklügelten Plan.
Hartz4all: Der da wäre?
Müntefering: Sehen Sie mal, dies ist Chewbacca. Chewbacca ist ein Wookiee vom Planeten Kashyyyk, aber Chewbacca lebt auf dem Planeten Endor. Denken Sie darüber nach. Es ergibt keinen Sinn! Warum sollte ein Wookiee - ein zwei Meter großer Wookiee - auf Endor leben wollen, zusammen mit einem Haufen winziger Ewoks? Es ergibt keinen Sinn! Aber Sie müssen sich ernsthaft fragen: Was hat das alles mit der Unterschicht zu tun? Gar nichts. Verstehen Sie, es hat nichts mit der Unterschicht zu tun. Es ergibt keinen Sinn! Nichts von alledem ergibt einen Sinn. Wenn Chewbacca auf Endor lebt, gibt es keine Unterschicht!
Hartz4all: Vielen Dank für das fiktive Gespräch.



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